Santa Cruz und der Osten Boliviens

Santa Cruz und Umgebung

Heutzutage begreift sich Santa Cruz als Amazonasstadt. Hier treffen die verschiedenen Kulturen aus dem Hochland im Westen, der Amazonaskultur im Norden und Osten und der Guaraní-Kultur im Osten. Die Region der Stadt trennt den regenreichen Dschungel im Norden vom Trockengebiet des La Plata-Beckens im Süden.




Santa Cruz de la Sierra ist das wirtschaftliche Zentrum der weiten Pampas im Südosten Boliviens. Es ist sowohl die modernste als auch größte Stadt Boliviens und eine der am schnellsten wachsenden Städte Lateinamerikas. Die lebendige Metropole möchte einmal der Knotenpunkt des Kontinents werden. Bisher ist sie auch die einzige Stadt Boliviens zu der man Direktflüge aus Europa findet.

Den bisher erlangten Reichtum erkennt man deutlich in den Straßen der Stadt. Trotz ihrer Größe schwingt in der Stadt eine gelassene, fröhliche Atmosphäre. Am besten erlebt man diese auf der Plaza im Zentrum der Stadt, der zugleich ein wunderschöner tropischer Garten ist. Zu den interessantesten Sehenswürdigkeiten zählen zahlreiche Museen (das des Nationalparks Noel Kempff oder das Museo Etno Folklórico), verschiedene Kirchen und Basilicas, der Vergnügungspark El Arenal, der Zoologische Garten, aber auch der große Markt sowie die Kunsthandwerksläden. In Santa Cruz wird auch viel gefeiert. Besonders schön sind der farbenfrohe Karneval, das Musik- sowie das Theaterfestival. Abgesehen von den großen Festivals wird auch jeden Abend in den verschiedenen Bars gefeiert und getanzt.



Santa Cruz de la Sierra bietet außerdem einen guten Ausgangspunkt für Ausflüge in die wunderschöne Umgebung.

Nur 18 km entfernt findet man sich in einer komplett anderen Welt, den Sanddünen von Lomas de Arena. Sie erinnern eher an die Sahara als an Bolivien und sind ein schönes Ziel für kurze Wanderungen oder zur Entspannung von der Großstadt.


Westlich von Santa Cruz gelangt man in den Nationalpark Amboró. Der Park umschließt eine Übergangszone von besonderer Bedeutung und Schönheit: vom tropischen Tiefland, über eine eindrucksvolle Vulkanlandschaft, Bergnebelwälder mit roten gigantischen Tafelbergen, Wäldern mit Riesenfarnen bis hin zu andinen Trockentälern auf 2500 m, findet man hier unbeschreiblich schöne Landschaften. Die Flora und Fauna der Gegend ist einzigartig und von großem wissenschaftlichen Interesse, da man noch immer erforscht, ob dies die Gegend mit der größten Artenvielfalt weltweit ist. Es ist bereits bewiesen, dass es das artenreichste Vogelparadies der Erde ist. Die Wahrscheinlichkeit teilweise seltene Tiere zu entdecken, ist in diesem Park recht hoch. Der Park ist sowohl von Norden als auch von Süden her zugänglich, wobei der südliche Teil der interessantere ist.




Ein beliebtes Wochenendziel der Cruceños und ein idealer Ausgangsort für die Besichtigung des südlichen Teils des Nationalparks ist das kleine Örtchen Samaipata, welches ebenfalls im Westen von Santa Cruz liegt. Das malerische Städtchen an sich ist eher ein Dorf auf etwa 1640 m Höhe in traumhaft schöner, unberührter Natur.

Von hier aus kann man außerdem die 9 km entfernte Ruinenanlage El Fuerte de Samaipata besichtigen. Der riesige Einzelfelsen, welcher als gewaltige Plattform zwischen den grünen Hügeln emporragt, war einst ein großes Zeremonien-Zentrum. Seit 1998 zählt die Stätte zum UNESCO Weltkulturerbe. Begehen kann man den Sandsteinfelsen nicht, aber von einem Aussichtsturm aus hat man gute Panoramablicke auf die Anlage mit ihren verschiedenen Sektoren und deren Umgebung.


Samaipata ist der Startpunkt, um die Ruta del Che zu beginnen. In den umliegenden Bergen von Santa Cruz lieferte der Revolutionär Ernesto ‚Che‘ Guevara 1967 dem Militär seine letzten Gefechte. Auch wenn man heutzutage nicht viel von den damaligen Orten erkennen kann, so lohnt sich die Tour aufgrund der unglaublich schönen Landschaft der Region. Während der dreitägigen Tour durch das dünn besiedelte Land, kann man erahnen welch schwere Zeiten der Revolutionär mit seinen Anhängern durchlebte. Im kleinen Bergdorf La Higuera wurde Che am 9. Oktober 1967 vom feindlichen, imperialistischen bolivianischen Militär erschossen. Obwohl er in Bolivien kaum Anhänger für seine sozialistischen Aufstände fand, so gilt El Commandante noch heute, vor allem bei der Jugend Boliviens und ganz Südamerikas als Symbol für den gerechten und wichtigen Kampf gegen die auch heute noch herrschende Armut und die Unterdrückung der Menschen durch den Kapitalismus.


Der Osten Boliviens

Im Osten von Santa Cruz erstreckt sich die sogenannte Chiquitania. Dies ist noch immer ein fast unberührtes Dschungel- und Savannenland, welches noch zahlreiche wundervolle Naturschätze bereithält. Durch die aktuell immer weiter führende wirtschaftliche Erschließung ist der Naturreichtum jedoch leider mehr und mehr in Gefahr.
Für Reisende gibt es einige interessante Gebiete, die viel der Geschichte dieser Region erzählen oder einfach nur traumhafte Landschaften zeigen.


Eine Reise wert sind die Jesuitenmissionen, die sich über eine Strecke von 450 km verteilen. Die Chiquitos-Reduktionen waren jesuitische Missionsdörfer, in denen die Guaraní- bzw. Chiquito-Indianer ihr Zuhause fanden. Die meisten Dörfer wurden um 1750 gegründet und bereits 1767 wieder von den Spaniern verlassen, und Mitte des 19. Jahrhunderts griff die bolivianischen Armee die verbliebenen Einwohner an.

Heute sind die Orte klein und verschlafen, aber noch immer bewohnt. Sechs der Orte inmitten der wunderschönen Hügellandschaft zählen seit 1990 mit ihren einzigartigen Kirchenbauten zum UNESCO Weltkulturerbe. Als ‚pueblos vivos‘ (lebendige und authentische Dörfer) stehen sie unter besonderem Schutz. In den Dörfern kann man noch immer die besondere Chiquitano-Kultur erleben. Besonders interessant ist die hier entstandene Barockmusik, der man lauschen sollte.


Im Osten Boliviens befindet sich auch, nach dem Madidi-Nationalpark, größte und wichtigste Nationalpark Boliviens, der Nationalpark Noel Kempff Mercado. Vom Roman von Sir Arthur Conan Doyle erhielt der Park seinen Zweitnamen „Die vergessene Welt“. Abseits jeglicher Touristenströme entdeckt man hier eine ursprüngliche Landschaft von dichtem Urwald, roten Tälern und Tafelbergen, sowie weiteren spektakulären Landschaften und zahlreichen Tier- und Pflanzenarten, teilweise endemisch oder woanders bereits ausgerottet, in fünf verschiedenen Ökosystemen.

Das einst größte Kokain-Labor des Landes kann hier besichtigt werden.

Aus der Luft erkennt besonders gut, dass auf der brasilianischen Seite bereits durch intensive agrarische Nutzung die schönen Landschaften zerstört wurden. Der Park gehört inzwischen zum UNESCO Weltnaturerbe. Erreichbar ist er am schnellsten und einfachsten mit dem Flugzeug.




Ebenfalls entlang der brasilianischen Grenze erstreckt sich das Pantanal, das größte Fluss- und Lagunensystem in Südamerika, welches auf brasilianischer Seite zum Weltnaturerbe der UNESCO gehört. Anders als bei seinem Nachbarn, ist das Gebiet in Bolivien jedoch noch recht unerforscht und verfügt nur über eine rudimentäre Infrastruktur. Die Entdeckungen, die man dort machen kann, sind dafür aber umso einzigartiger, da die Landschaft unberührt geblieben ist. Am besten organisiert man in Europa bei einem Veranstalter eine Tour.


Außerdem kann man im Südosten Boliviens auch den Gran Chaco sowie einige Mennoniten-Missionen besuchen, von denen der Großteil im benachbarten Paraguay liegt. Aufgrund der unzureichenden Infrastruktur in dieser Gegend Boliviens ist es jedoch schwer weitere noch recht unerforschte Sehenswürdigkeiten zu erreichen.










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